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Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte
Herausgegeben von Ilija Trojanow

Ilija Trojanow
Die neue Reihe Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte entführt in entlegene Lesewelten – geografisch, inhaltlich, sprachlich, kulturell. Weiße Flecken auf der Literaturlandkarte werden aufgespürt, Pfade jenseits der bekannten Lesewege bieten neue Blickwinkel, andere Kulturen laden zur Begegnung ein. Unentdeckte Autorinnen und Autoren, ungewöhnliche Themen und vergessene Kleinodien – eine Reise in ferne Welten voller Überraschungen. Der Schriftsteller, leidenschaftliche Leser und "Weltensammler" Ilija Trojanow hebt verborgene Schätze, die er in einer auch gestalterisch hochwertigen Reihe versammelt

"Handverlesene Kleinodien, die andere Kulturen lebendig werden lassen.“
Neue Presse

Die tapfersten der Söhne
Lieferbar ab März 2012

Aus dem Englischen von Susann Urban, gebunden mit Schutzumschlag
Ca. 224 Seiten
€ 19,99 / SFR 28,90
ISBN 978-3-940111-94-4

David Malouf
Die tapfersten der Söhne
Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte, Band 8

David Malouf erzählt die Geschichte von Hektors Tod durch Achill und der Auslösung seines Leichnams durch seinen Vater Priamos auf eine neue, eindringliche Weise. Priamos macht sich mit Somax, einem einfachen trojanischen Mann, auf den Weg in das griechische Lager, in das Achill Hektors Körper geschleppt hat. Auf dem Weg dorthin lernt Priamos durch seinen Gefährten, den Malouf als Repräsentant des einfachen Volkes und Gegenbild des Königs zeichnet, nicht nur viel über die Welt außerhalb des Palastes, sondern auch über sich selbst.

In seinem jüngsten Roman, „Die tapfersten der Söhne“, erzählt der seit vielen Jahren auch in Deutschland bekannte australische Autor, David Malouf, in anrührend-schlichten Worten eine Geschichte von Verlust und Trauer, Wut und Ohnmacht, die uns nur vordergründig in die Antike führt.

Er beschäftigt sich ebenso mit zutiefst menschlichen Themen – dem Alter und der Würde, der Einsamkeit und dem Lebenssinn und mit dem Hinauswachsen über das eigene Ich. Er bedient sich des 24. Gesangs der Ilias von Homer, in dem der alte König Priamos, König von Troja, sich zu Achill begibt, dem berühmten, unverwundbaren Heros der Griechen, und ihn um die Herausgabe des Leichnams seines Sohnes Hektor bittet. Achill hat aus Schmerz über den Tod seines besten Freundes und Vetters Patroklos, der durch Hektors Hand fiel, diesen getötet und seinen Leichnam danach geschändet. Nun will Priamos zum griechischen Feldlager und seinen Sohn auslösen, obwohl alle in der Stadt dieses Vorhaben für selbstmörderisch halten. Auf seinem Weg dorthin begleitet ihn Somax, ein einfacher Fuhrmann, in dessen von zwei Maultieren gezogenen Wagen das Lösegeld für Hektor verstaut ist.
Durch Somax – eine von David Malouf wunderbar erdichtete Figur und Repräsentant des einfachen Volkes, das bei Homer nur selten erwähnt wird – bekommt Priamos zum ersten Mal Kontakt mit einem seiner Untertanen.
Durch Somax lernt er die Welt außerhalb seines Palastes kennen und erfährt von Angesicht zu Angesicht von den Freuden und Kümmernissen seines Volkes.
Beide Männer verbindet der Verlust ihrer Söhne, wobei Somax’ zärtliche Erinnerungen diesem ein Trost sind, wohingegen Priamos keinen sehr innigen Kontakt zu seinen Söhnen hatte. Endlich kommt es zur Begegnung mit Achill. Wie schon bei Homer, können beide ihre Wut- und Rachegefühle überwinden und Mitgefühl für den Verlust des jeweils anderen aufbringen. Priamos darf Hektors Leichnam freikaufen und den Riten entsprechend beerdigen.

Maloufs Roman war auf der Shortlist des International IMPAC Dublin Literary Award 2011, des höchstdotierten internationalen Literaturpreises für ein einzelnes Werk.

David Malouf, geboren 1934 in Brisbane, Australien, arbeitete viele Jahre als Lehrer in London. Von 1968 bis 1978 war er Lektor für englische Sprache an der University of Sidney. Malouf schreibt Lyrik, Libretti, Erzählungen und Romane. Seine Bücher wurden u.a. mit dem Commonwealth Writers Prize, dem Prix Femina Étranger und dem IMPAC Award ausgezeichnet. In deutscher Sprache erschienen u.a. die Romane „Jenseits von Babylon“, „Die Nachtwache am Curlow Creek“ und „Südlicher Himmel“. David Malouf lebt in Sidney.

Maloufs sparsam eingesetzte Details, lebhafte Sprache und geistreicher Witz humanisieren diese tragischen Helden, die Geschichte ist zweifelsohne episch und sicherlich der Stoff aus dem Legenden gemacht werden.
Publishers Weekly

Indra Sinha: Menschentier


Aus dem Englischen von Susann Urban
Gebunden mit Schutzumschlag, ca. 420 Seiten
€ 19,99 / SFR 28,90
ISBN 978-3-940111-87-6

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Indra Sinha
Menschentier
Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte, Band 7

Animal, so wird der Ich-Erzähler seit der Chemiekatastrophe von Bhopal genannt. Denn seither kann sich der mittlerweile 19-jährige nur noch auf allen Vieren bewegen. Mitleid aber will er nicht und dies macht er in seiner derben Sprache auch deutlich. Als eine Ärztin eine Klinik für die Opfer eröffnet, soll Animal herausfinden, auf wessen Seite sie steht. Es entspinnt sich ein Netz aus Intrigen und Verdächtigungen ... Ein anrührender, bewegender Roman, der die Balance schafft zwischen Tragödie und Komödie.

„ Früh er war ich ein Mensch. Erzählt man mir. Ich erinnere mich selbst nicht daran, aber Leute, die mich kannten, als ich klein war, sagen, ich ging auf zwei Beinen wie ein Mensch. (...) Die Welt der Menschen ist dazu gedacht, in Augenhöhe betrachtet zu werden. Deiner Augen. Hebe ich meinen Kopf, starre ich jemandem auf den Schritt. (...) Ich sei früher aufrecht gegangen, sagt Ma Franci, warum soll sie lügen? Nicht, dass mich das tröstet. Ist es nett, einen Blinden daran zu erinnern, dass er mal sehen konnte?“ Dies sind drei tongebende Sätze der Hauptfigur und des Ich-Erzählers aus dem ersten Kapitel. Animal, so genannt, weil er sich nur auf allen Vieren fortbewegen kann, ist ein 19-jähriges verkrüppeltes Opfer des Unglücks von Bhopal. Er lehnt Mitleid ab, flucht wie ein Seemann, und giert nach körperlicher Zuwendung. Animal spricht seine Geschichte auf Tonkassetten eines Journalisten, und er redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: die Sprache der Straße; bei Animal ein charmanter Mix aus Hindi, Englisch und Französisch.

Als eine junge amerikanische Ärztin eine Klinik für die Opfer der Chemiekatastrophe eröffnet, wird Animal zu ihr geschickt, um herauszufinden, auf welcher Seite sie steht. Ein Netz von Intrigen und Verdächtigungen treibt die Handlung voran, bis zu ihrem dramatischen Ende. Eine Reihe von bemerkenswerten Figuren, etwa die köstlich schräge französische Nonne Ma Franci, die das Findelkind Animal aufgezogen hat, oder Chunaram, windiger Vermittler und Teeladenbesitzer, werden mit wenigen Strichen meisterhaft zum Leben erweckt. Die Geschichte bleibt trotz aller Leiden und Schrecken stets anrührend. Sinha balanciert zwischen Komödie und Tragödie und bringt seinen Figuren stets Respekt und Zuneigung entgegen. In einer aus den Fugen geratenen Welt ergibt nur noch die groteske Übertreibung einen Sinn. Ein sehr bewegender Roman.

Indra Sinha, geboren 1950 in Colaba, Indien, ist Sohn eines indischen Marineoffiziers und einer englischen Schriftstellerin. 1967 zog er mit seiner Familie nach England und studierte dort Literaturwissenschaften. Sinha arbeitete als Werbetexter und begann daneben zu schreiben. 1980 erschien Sinhas Übersetzung des „Kama Sutra“ ins Englische, ab 1995 konzentrierte er sich ganz auf seine schriftstellerische Arbeit. Für die Opfer von Bhopal engagiert Indra Sinha sich seit 1993. Er ist Mitgründer des Bhopal Medical Appeal, das den Bhopal-Opfern freie medizinische Versorgung bietet. Sein Roman „Animal’s People“ (2007) basiert auf dieser Katastrophe. 2007 kommt er auf die Shortlist des Man Booker Prize und 2008 gewinnt „Animal’s People“ den Commonwealth Writers Prize in der Sparte Eurasia Region: Best Book. Indra Sinha lebt heute mit seiner Familie in Südfrankreich.

John Steinbeck: Russische Reise

Aus dem Englischen von Susann Urban
Mit 69 Schwarz-Weiß-Fotos. Gebunden
mit Schutzumschlag, 298 Seiten
€ 19,90 / SFR 28,90
ISBN 978-3-940111-84-5

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John Steinbeck
Russische Reise
Mit Fotos von Robert Capa
Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte, Band 6

John Steinbeck und Robert Capa reisen 1947 für die „New York Herald Tribune“ durch die Sowjetunion, um die Befindlichkeiten und das Leben des russischen Volkes selbst in Augenschein zu nehmen und zu dokumentieren. „Russische Reise“ ist ein berührendes Zeitdokument, literarische Reportage und das freundschaftliche Porträt eines der großen Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Zwei berühmte amerikanische Reporter, Schriftsteller der eine, Fotograf der andere, reisen für die „New York Herald Tribune“ 1947 einige Wochen durch das Rätsel namens Sowjetunion. Sie wollen die Befindlichkeiten und das Leben des russischen Volkes dokumentieren, misstrauen sie doch der antikommunistischen Hetze ihrer Regierung, die den Gegner im Kalten Krieg als seelenlosen Roboter darstellt. Den beiden war aufgefallen, „dass es einige Dinge in Rußland gab, über die niemand schrieb, und dass es gerade diese Dinge waren, die uns am meisten interessierten. Was tragen die Leute dort? Was tischen sie zum Abendessen auf ? Feiern sie Feste? Wie lieben sie, und wie sterben sie?“ Sie kommen durch Moskau, dessen Einwohner angespannt und ernst sind, nach Stalingrad, in die Ukraine, deren Einwohner fröhlich und stets ein Lächeln bereit haben, bis nach Georgien mit seinem milden Klima und reichlich Wein. Sie sehen zerstörte Städte und Bauernhöfe, besuchen Fabriken und Genossenschaftsbetriebe. Sie treffen freundliche Menschen, die unter großen Mühen ihr kriegswundes Land wieder aufbauen, denen es aber trotzdem gelingt, dem Leben Freude abzuringen. Menschen, die gerne Brot und Borschtsch mit Fremden teilen, die sehr an Amerika interessiert sind und deren Vorstellungen von diesem Land ebenso unzutreffend und propagandaverseucht sind, wie dies umgekehrt der Fall ist.

Steinbeck beschreibt die Menschen und ihr karges Leben in berührenden Vignetten, zeigt uns Fabrikarbeiter, Bauern, Angestellte bei der Arbeit und Freizeit, und berichtet mit viel Humor über die kleinen Reisemissgeschicke, die ihm und seinem Begleiter – dessen Marotten er liebevoll porträtiert – zustoßen. Capas klare Aufnahmen fangen unverstellt die Menschen in ihrem Alltag ein, zeigen die zerstörenden Spuren der jüngsten Vergangenheit, die das Land überziehen. „Russische Reise“ beschreibt eindrücklich und zartfühlend die Situation eines Landes, das durch den Zweiten Weltkrieg die verheerendsten Verluste erlitten hat und dessen Bewohner sich nach Normalität sehnen. Es ist ein Zeitdokument, literarische Reportage und ein freundschaftliches Porträt eines der großen Kriegsfotografen des 20. Jahrhunderts.

John Steinbeck (1902-1968), amerikanischer Erzähler deutsch-irischer Abstammung, war als Gelegenheitsarbeiter, später als Reporter und im Zweiten Weltkrieg als Kriegsberichterstatter tätig. Für sein erzählerisches Werk wurde Steinbeck unter anderem mit dem „Pulitzer-Preis“ und dem „Nobelpreis für Literatur“ ausgezeichnet.

Robert Capa (1913–1954), US-amerikanischer Fotograf und Journalist ungarischer Abstammung, wurde als Kriegsreporter bekannt. Seine Aufnahmen wurden u.a. in „Life„ und „Time“ veröffentlicht. 1947 gründete er mit anderen Fotografen die Fotoagentur Magnum und mied zunehmend die Kriegsberichterstattung. 1954 reiste er für „Life“ als Fotojournalist in den Indochinakrieg, wo er starb, als er auf eine Landmine trat.

Edwige Danticat: Der verlorene Vater

Aus dem Englischen
von Susann Urban
Gebunden mit Schutzumschlag
Ca. 200 Seiten
€ 19,90 / SFR 28,90
ISBN 978-3-940111-76-0

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Edwidge Danticat
Der verlorene Vater
Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte, Band 5

Ein multiperspektivisches Porträt eines Mannes, der von Haiti in die Vereinigten Staaten ausgewandert ist – angeblich auf der Flucht vor dem Duvalier-Regime. Seine Vergangenheit birgt ein Geheimnis. Und immer geht es um die Frage, ob Vergebung für unmenschliche Taten möglich ist.

"Handverlesene Kleinodien, die andere Kulturen lebendig werden lassen.“
Neue Presse über die Reihe Weltlese

Neun Geschichten über einen Mann, der von Haiti in die Vereinigten Staaten ausgewandert ist – angeblich auf der Flucht vor dem Duvalier-Regime, von dem er verfolgt und gefoltert wurde. Äußeres Zeichen dieses Schicksals ist eine lange Narbe. Erst im Erwachsenenalter erfährt seine in New York geborene Tochter, dass ihr Vater keineswegs Opfer, sondern Täter war, ein Mann, der alle Finessen des Folterns beherrschte, der das Leben unzähliger Menschen zerstörte. Die einzelnen in sich abgeschlossenen

Kapitel zeichnen das Bild der haitianischen Gesellschaft zwischen Armut, Willkürherrschaft, Flucht und Auswanderung. Es kommen Menschen zu Wort, denen das Leben unter der paradiesischen Sonne Haitis zur Hölle wurde. In allen Geschichten wird eine Antwort auf die Frage gesucht, ob Vergebung für derartig grausame und unmenschliche Taten möglich ist und ob und wie über dieses furchtbare Grauen gesprochen werden kann. Der einstmal verübten Gewalt entkommt niemand – die Opfer und ihre Familien nicht, aber auch nicht der Täter und seine Familie. Edwidge Danticats Sprache ist luzide und lyrisch, sie beherrscht die Kunst der Andeutung und Aussparung, weswegen der Leser immer tiefer hineingezogen wird, und so zu einem faszinierten und zugleich angewiderten Mitwisser wird.

Edwidge Danticat, 1969 in Port-au-Prince, Haiti, geboren, folgte ihren Eltern mit zwölf Jahren in die USA. Seit ihrem beeindruckenden Erstling „Breath Eyes Memory“, der unter dem Titel „Atem, Augen, Erinnerungen“ 1996 erschien, gilt sie als eine der bedeutendsten Stimmen der karibischamerikanischen Literatur, die nicht nur die Geschichte ihres Herkunftslandes thematisiert, sondern auch die Erlebnisse in der Diaspora. Mit „The Dew Breaker“ gelangte sie auf die Shortlist des National Book Critics Circle Award. Danticat erhielt zahlreiche Auszeichnungen, z.B. den American Book Award und den LiBeraturpreis. Sie lebt in New York.

Auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt 2011

Herman Charles Bosman

Aus dem Englischen
von Michael Kleeberg
Gebunden mit Schutzumschlag
Ca. 208 Seiten, 2010
€ 19,90 / SFR 28,90
ISBN 978-3-940111-67-8

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Herman Charles Bosman
Mafeking Road
und andere Erzählungen
Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte, Band 4

Deftige und schräge Geschichten mit überraschenden Pointen über einen Ort in der tiefsten südafrikanischen Provinz, in dem sich alles Menschliche und Allzumenschliche spiegelt.

"... eine Nachhilfestunde in Sachen Weltliteratur“
Frankfurter Rundschau über die Reihe Weltlese

So wie William Faulkner im fiktiven Yoknapatawpha County einen eigenen Kosmos heraufbeschworen hat, schuf Bosman mit Groot Marico, einer existierenden Kleinstadt, eine eigene literarische Welt, die südafrikanische Realitäten verdichtet und überzeichnet. Ähnlich wie Jaroslav Ha`sek vermag er mit teils feiner, teils deftiger Ironie den bitteren Absurditäten des Lebens einen humorvollen Anstrich zu verleihen. Bosman gehört zu den Meistern der Kurzgeschichte. Seine frappierenden Pointen erinnern an O. Henry, Ambrose Bierce oder Guy de Maupassant, seine genauen Striche an Anton Tschechow. Obwohl er oft die Haltung eines Märchenerzählers am Lagerfeuer im „Veld“ einnimmt, sind es moderne Geschichten, die den Akt des Erzählens mit seiner unzuverlässigen Doppelbödigkeit thematisieren. Und Bosman gehört zu jenen wenigen Autoren, die den Leser mit Wucht direkt ins Geschehen involvieren. Er provoziert scheinbar mühelos Lachen und Weinen, Mitgefühl und Abscheu. Sein Werk ist noch nie ins Deutsche übertragen worden. Für die Übersetzung wurde Michael Kleeberg gewonnen, der große Stilist der deutschen Sprache, der mit „Malindi“ von Troy Blacklaws und „Die andere Seite der Stille“ von André Brink zuletzt zwei südafrikanische Romane übertragen hat.

Herman Charles Bosman, geboren 1905, ein Solitär und Sonderling der Weltliteratur,gilt als der bedeutendste südafrikanische Kurzgeschichtenautor. Versetzt als jungerLehrer in einen abgelegenen Teil des Western Transvaal (Südafrika), erschoss er im Streit seinen Stiefbruder. Er wurde zunächst zum Tode und dann zu zehn Jahren Haft verurteilt, bevor er begnadigt wurde und in die englische Emigration ging. In London schrieb er den Großteil seiner mehrere Bände umfassenden Kurzgeschichten, von denen zu seinen Lebzeiten nur drei Titel veröffentlicht wurden. Bosman starb 1951in Südafrika.

 

Marçal Aquino

Aus dem Portugiesischen von Kurt Scharf
Gebunden mit Schutzumschlag
272 Seiten, 2009
€ 19,90 / SFR 28,90
ISBN 978-3-940111-60-9

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Marçal Aquino
Flieh. Und nimm die Damit mit.
Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte, Band 3

"... eine Nachhilfestunde in Sachen Weltliteratur“
Frankfurter Rundschau über die Reihe Weltlese

Eine Goldgräberstadt in Brasilien: Der Fotograf Cauby recherchiert für ein Buch über Prostitution. Er taucht ein in die Stadt, beobachtet Bewohner und Zugereiste auf der Suche nach Glück und großem Geld. Da trifft er auf die undurchschaubare Lavínia, mit der er eine Affäre beginnt. Als er den Absprung versucht, wird er in einen Mordfall verwickelt. Ein packender Kriminalfall nimmt seinen Lauf ...

Marçal Aquinos dritter Roman „Flieh. Und nimm die Dame mit.“ erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem Fotografen Cauby und der jungen, mysteriösen Lavínia. Eine Recherche über Prostituierte führt den Journalisten in eine düstere Goldgräberstadt im Norden Brasiliens, wo er Zeuge der zunehmenden Spannungen zwischen Arbeitern und der Bergwerksgesellschaft wird. Er verfällt der wankelmütigen Lavínia, die manchmal verängstigt und verletzlich wirkt, manchmal ihre verführerischen Reize ausspielt. Zudem ist sie verheiratet – mit einem viel älteren, sehr beliebten Fernsehprediger. Cauby will sich von ihr trennen, doch er wird in einen Mordfall verwickelt und alles kommt ganz anders. In weiteren Rollen: ein ehrbarer Berufsmörder, ein dichtender Zeitungsmacher, ein empfindsamer Polizist und ein Gürteltier namens Zacharias.
Dicht und ironisch erzählt Aquino eine berührende Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Konflikte in der Goldgräberstadt. Ein vielschichtiger Roman, virtuos und spannend geschrieben.

 

Marçal Aquino, 1958 in Amparo/São Paulo geboren, arbeitete als Journalist, bevor er begann, Kinderbücher, Romane und Drehbücher zu verfassen. Sein Werk wurde mit mehreren renommierten Preisen ausgezeichnet. Seit den Neunzigerjahren arbeitet er intensiv mit dem Filmregisseur Beto Brant zusammen, der drei seiner Texte verfilmt hat. Die letzte Verfilmung, „O invasor“ (The Invader), wurde 2002 auf der Berlinale gezeigt, kam 2003 in die Kinos und erhielt einen Preis beim Sundance Film Festival in den USA.

 

F.M. Esfandiary

Aus dem Englischen von Ilija Trojanow
Gebunden mit Schutzumschlag
244 Seiten, 2009
€ 19,90 / SFR 28,90
ISBN 978-3-940111-55-5

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F.M. Esfandiary
Der letzte Ausweis
Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte, Band 2

Teheran, Mitte der 1960er Jahre. So hat sich Dariusch Aryana die ersehnte Rückkehr in seine Geburtsstadt nicht vorgestellt: Nach vielen Jahren im Westen erweist sich die gelobte Heimat für ihn als Fremde. Er findet keinen Zugang mehr zu seiner alten Kultur; Verwirrung und Einsamkeit werden seine Begleiter. Er beschließt, schnellstens wieder in den Westen auszureisen, doch dazu braucht er einen neuen Ausweis. Die Beschaffung dieses Dokuments wird zu einem wahnwitzigen Irrlauf durch das Behördenlabyrinth. Und dann gerät er auch noch in den blutigen Aufstand gegen das Terrorregime ...

Dariusch Aryana, der den Großteil seines Lebens im westlichen Ausland verbracht hat, kehrt Mitte der 60er Jahre in seine Geburtsstadt Teheran zurück. Er versucht, wieder Teil der iranischen Gesellschaft zu werden – vergeblich. Er bleibt ein Fremder in der Heimat, die zudem von einem totalitären System beherrscht wird, das den Armen und Wehrhaften das Genick, den Mitläufern das Rückgrat bricht. Nach wenigen Wochen möchte Aryana wieder ausreisen – doch dazu ist ein neuer Ausweis notwendig. Die Beschaffung dieses Dokuments führt ihn in ein kafkaeskes Labyrinth, das sein Leben völlig vereinnahmt: Von Amt zu Amt, von Behörde zu Behörde schickt man ihn. Die endlose Jagd wird zum Sinnbild der Identitätssuche. „Der letzte Ausweis“ handelt von der Fremde in und um uns, von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Nähe, von der verzweifelten Suche nach einer unverrückbaren Identität – und vom Scheitern dieser Suche. Esfandiary schildert lakonisch und in schnörkelloser Sprache den Wahnsinn der Bürokratie und die nahezu unendliche Duldsamkeit der Menschen, die in die Mühlen der Behörden geraten. Wenig hat sich geändert seit dem Erscheinen dieses Romans vor 40 Jahren.

Fereidoun M. Esfandiary (später nannte er sich FM-2030) wurde 1930 in Brüssel als Sohn eines iranischen Diplomaten geboren und wuchs u.a. in England, Iran, Afghanistan und Indien auf. Er war Olympiateilnehmer, Mitglied der UN-Schlichtungskommission für Palästina, Schriftsteller, Dozent, Philosoph und Futurologe. Esfandiary glaubte an eine globale Gesellschaft, der es im 21. Jahrhundert gelingen würde, politische, rassische und nationale Unterschiede zu überwinden. Er starb im Jahr 2000.

 

Jamal Mahjoub

Aus dem Englischen von Thomas Brückner
Gebunden mit Schutzumschlag
368 Seiten, 2008
€ 19,90 / SFR 28,90
ISBN 978-3-940111-53-1

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Jamal Mahjoub
Die Stunde der Zeichen
Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte, Band 1

„Staub fegte über die knochentrockene Ebene wie ein Blatt Papier, das sich kräuselnd vom Fell der Erde häutete.“ So beginnt Jamal Mahjoubs fulminante Geschichte über den Mahdi, den ersten fundamentalistischen Rebellen des Islam, der 1881 einen erfolgreichen Aufstand gegen die britische Kolonialmacht anführte. Ausgerüstet allein mit seiner visionären Kraft scharte dieser einfache Mann eine schlecht bewaffnete, aber tiefgläubige Armee um sich, die in Windeseile das ganze Land eroberte. Mahjoub schildert diese spannende Geschichte aus der Sicht beider Seiten, wobei ihm das literarische Kunststück gelingt, sowohl der sudanesischen als auch der britischen Perspektive gerecht zu werden. Mit großer poetischer Intensität erweckt er eine Vielzahl unvergesslicher Charaktere zum Leben – vom gewitzten Armeekoch über die junge Prostituierte bis hin zum sanften Geistlichen –, die sich mal weise, mal verzweifelt und mal fatalistisch in stürmischen Zeiten zurechtzufinden versuchen. In prägnanten Bildern variiert Mahjoub die Themen Religion und Macht, Ekstase und Alltag. Ein spannender Roman, der gegenwärtiger kaum sein könnte.

Jamal Mahjoub, wurde 1960 in London als Sohn einer englischen Mutter und eines sudanesischen Vaters geboren. Er wuchs in Sudan auf, wo er in eine jesuitische Schule ging. Dank eines Stipendiums konnte er in Großbritannien Geologie studieren. Schon früh begann er zu schreiben und veröffentlichte mit 24 Jahren seinen ersten Roman. Er ist ein Kosmopolit, der in Dänemark und Spanien gelebt hat und in seinen nunmehr fünf Romanen immer wieder beschreibt, wie Kulturen aufeinanderprallen und sich vermengen

 

 
   
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