| Die Verschwiegene Bibliothek Herausgegeben von Ines Geipel und Joachem Walther |
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Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls "Warum hast du nur Badetag gesungen? Jetzt heißt es, der Chansonclub Leipzig verbreitet feindlich-negative Texte“, wird Salli Sallmann nach einem seiner Auftritte vorgeworfen. Das ist der Anfang vom Ende des Liedermachers in der DDR. Tatsächlich geht es in dem Lied nur um eine zu enge Küche und um Liebe in der Badewanne. Salli Sallmanns autobiografische Berichte, Balladen und Gedichte zeigen authentischen DDR-Alltag, erzählen vom Eigensinn in einem repressiven System und von den möglichen Folgen. Die Lyrik und die Liedtexte entstanden bis zu Sallmanns Ausbürgerung 1977. Ein Teil fand sich in den Archiven der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, ein anderer Teil wurde vom Autor in der Haft auswendig gelernt und nach der Entlassung notiert. Salli Sallmann liefert mit Badetag ein zeitgeschichtliches Dokument von besonderer Relevanz und Eindringlichkeit. Salli Sallmann, 1953 in Chemnitz geboren, wurde 1971 zum Studium an der Leipziger Fachschule für Ingenieurökonomie zugelassen. In dieser Zeit begann er zu schreiben. Schon bald wurde ihm die Auftrittserlaubnis als Lyriker und Sänger entzogen, 1974 wurde er wegen "konterrevolutionärer Aktivitäten“ exmatrikuliert. Als er seinen Wehrdienst ableistete, wurde er von der Staatssicherheit verhaftet und nach Westberlin abgeschoben. Dort holte er das Abitur nach und studierte u.a. Germanistik. Sallmann arbeitet seit 1992 als Redakteur für Literatur beim Rundfunk Berlin-Brandenburg und ist als freier Autor und Musiker tätig. |
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Die Verschwiegene Bibliothek, Band 9 "Vibrierend; zart und kraftvoll ist ihre Sprache in diesem Roman …
Hier gibt es eine Erzählerin
mit markantem Ton zu entdecken." Sylvia Kabus legte 1988 dem Aufbau Verlag das Manuskript Weißer als Schnee vor. Die Lektorin lehnte es in einem Tribunal ab, das Sylvia Kabus so beschrieb: "Warum die Figur so dünnhäutig sei, fragte sie. Fünfzehn von zwanzig Leuten oder mehr arbeiten doch so, in unbefriedigenden Berufen, ohne krank zu werden. Viele leben doch ihr Leben außerhalb der Arbeit, sagte sie, die Genossin. Und wie da von alten Menschen, von einer alten Genossin gesprochen wird, die abgeschoben wird, als Pflegefall nicht zumutbar im Krankenhaus. So kann man eine Genossin doch nicht darstellen, sagte sie. Das Graue, Erloschene stellte sie mir in Rechnung. Ich weiß, es ist verletzend, aber ich sage es trotzdem ... begann sie ihre Sätze. Auch, dass ich nie eine Zukunft als Schreibende haben würde. Sie wusste, dass hier etwas verletzt wurde, das hätte ermutigt werden müssen ... Ihr Körper sagte es. Es versperrte mir die Weiterarbeit, das Wachsen und Sein mit dem Buch. Ich saß hinterher im Zug und schrieb ihre vorgestoßenen, von erregtem Schweigen unterbrochenen Bemerkungen in ein Exemplar des Filmspiegels, auf den Rücken von Grace Kelly.“ Zur Veröffentlichung ihres Romans in der Verschwiegenen Bibliothek sagt Sylvia Kabus: "Der Text ist die Geschichte eines reinigenden Schweigens, entstanden aus einem Lebensmaterial, das in Todesnähe brachte.“ Sylvia Kabus, 1952 in Görlitz geboren, studierte Anglistik und Germanistik in Berlin. Sie war Redakteurin einer Kulturzeitschrift und arbeitete als Autorin für die DEFA. Nach 1989 engagierte sich Sylvia Kabus in der Leipziger Bürgerbewegung, war Mitglied des Leipziger Runden Tisches und wirkte 1990 mit an der Auflösung des "Schriftstellerverbandes der DDR“. Ab 1991 baute sie das Literaturbüro Leipzig auf und publizierte insbesondere zu Themen der beiden deutschen Diktaturen. Sylvia Kabus lebt heute als Schriftstellerin in München. |
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Die Verschwiegene Bibliothek, Band 8 Gebunden mit Schutzumschlag Günter Ullmann, der bereits als Schüler malte und dichtete, war seit 1968 den geballten Repressionen der DDR-Diktatur ausgesetzt: Observation, Bespitzelung durch vermeintliche Freunde (Ibrahim Böhme alias IMB Paul Bonkarz bzw. IMV August Drempker), Postkontrolle, Publikationsverbot, Zersetzungsmaßnahmen bis hin zur Einweisung in die Psychiatrie, Verhaftungen und Verhöre. In dieser Bedrängnis blieben ihm bald nur noch seine Familie, einige Freunde und die Liebe zur Poesie. Als die Mauer fiel, schrieb er: "Ich weiß nicht, ob ich die DDR länger überstanden hätte.“ In diesem Satz wird der enorme existentielle Druck deutlich, der auch in seinen Gedichten spürbar ist, die das Leben und die Auseinandersetzung mit der Diktatur widerspiegeln. Selbst Texte, die scheinbar Alltägliches beschreiben, beinhalten stets auch eine politische Aussage: der unbändige Wunsch nach Freiheit und das Aufbegehren gegen staatliche Zwänge und Unterdrückung. Günter Ullmann, geboren 1946 in Greiz, begann schon früh zu schreiben. Nach seinem Protest gegen den sowjetischen Einmarsch in Prag sowie gegen die Abschiebung Reiner Kunzes und die Ausbürgerung Wolf Biermanns wurde er mehrfach verhaftet und von der Staatssicherheit „operativ bearbeitet“. Es folgten Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen und Jahre der Isolation. Ullmann ist heute für kulturelle Angelegenheiten der Stadt Greiz zuständig. Er veröffentlichte zahlreiche Gedichtsammlungen, Prosabände und Kinderbücher. Günter Ullmann starb im Mai 2009. |
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Die Verschwiegene Bibliothek, Band 7 Gebunden mit Schutzumschlag "eine literarische Entdeckung“ Ein Mann auf einem Berg aus märkischem Sand sitzend – das war die markanteste Figur im Werk von Henryk Bereska zu DDR-Zeiten. Jener Sandberg befand sich im märkischen Kolberg und war Bereskas Lebensmittelpunkt nach seiner Tätigkeit für den Aufbau-Verlag, seine Privat-Enklave, in der er schreibend und dichtend zur intensivsten Insulanerexistenz fand. Die Kolberger Hefte, Bereskas literarische Tagebücher, sind ein einzigartiges Zeitdokument, das in den frühen Fünfzigerjahren in Ostberlin einsetzt und bis zum Ende der DDR 1989 reicht. Noch einmal darf man mit Bereska neben den Freunden Peter Huchel und Erich Arendt sitzen, in Ostberliner Kneipen kauzige Originale hören, die Debatten mit polnischen Dichterkollegen in Krakau und Warschau verfolgen, seine scharfen Aphorismen über den ostdeutschen Politsumpf und die schönen märkischen Gedichte lesen. Henryk Bereska, geboren 1926 in Kattowitz, wuchs zweisprachig auf und studierte Germanistik und Slawistik. Er war Redakteur des Aufbau-Verlages, bis er 1955 aus politischen Gründen ausschied. Er zog ins märkische Kolberg und übersetzte die polnischen Schriftsteller Andrzejeweski, Rozewicz, Witkiewicz, Zagajewski und Milosz. Bereska gehörte zu den Unterzeichnern gegen die Ausbürgerung Biermanns. Für seine Verdienste um die polnische Literatur erhielt er nach der Wende zahlreiche Auszeichnungen. Bereska starb 2005 in Berlin. |
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Die Verschwiegene Bibliothek, Band 6 Das Grab des Novalis ist der dritte Teil des neunteiligen Fragmentromans Das Land aller Übel, ein literarisch-analytischer und philosophischer Zugriff auf die staatstragende, konkret genannte Utopie des Kommunismus. Gemeint ist dabei nicht die DDR, sondern das Land Utopia, also die Idee einer DDR, die es so nie gegeben hat und nie geben konnte. Das Grab des Novalis liefert eine radikale Dekonstruktion, die sich im Kopf des Lesers zum Schauspiel fügt. Es ist Kopf-Theater. Körner transponiert die sechzehn Gestalten aus dem Märchen, das Klingsohr in dem Roman Heinrich von Ofterdingen erzählt, in sein Stück – als archetypische Gestalten eines ideologisch traumatisierten Bewusstseins. Indem Körner durchexerziert, wie eine utopische Vorstellung in Agonie endet, entsteht ein Stück über die Weltanschauung in sieben dramaturgisch aufbereiteten Teilen. Das Ganze ist eine philosophische Groteske, ein komplexes Satyrspiel, welches das innere Dilemma einer diktatorischen Weltanschauung vorführt und mit der Sprache deren Denken generiert, analysiert und ad absurdum führt. Thomas Körner, geboren 1942 in Breslau, wuchs bei Dresden auf. Er studierte Medizin und Jura und schrieb experimentelle Gedichte, Stücke und Prosa. Später arbeitete er als Krankenpfleger, Richterassistent sowie als Librettist und schrieb dabei an dem Fragmentroman Das Land aller Übel. 1980 floh Körner in die Bundesrepublik, wo er von 1985 bis 1988 Dramaturg am Deutschen Schauspielhaus Hamburg war und u.a. mit Peter Zadek zusammen arbeitete. Körner ist seit 1980 auch als Übersetzer und Autor für das Musiktheater tätig. |
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Die Verschwiegene Bibliothek, Band 5 Nach zwei öffentlichen Lesungen seiner frühen Texte in Dresden und in Potsdam wurde die
literarische Karriere von Ralf-Günter Krolkiewicz abrupt beendet: Die Staatssicherheit verhaftete
den verbal aufmüpfigen Autor wegen " öffentlicher Herabwürdigung“ und brachte ihn
für mehr als ein Jahr hinter Gitter. Der Autor war von nun an unwiderruflich "Staatsfeind“
und "Machwerkeverfasser“. Ralf-Günter Krolkiewicz, 1955 in Erfurt geboren, absolvierte nach einer Ausbildung zum Elektronikfacharbeiter ein Schauspielstudium. Im Anschluss war er als Schauspieler und Regisseur am Hans-Otto-Theater in Potsdam tätig. 1984 wurde er nach der Lesung eigener Texte festgenommen und zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt. Nach dem Gefängnisaufenthalt musste er die DDR verlassen und arbeitete seitdem in der Bundesrepublik an verschiedenen Theatern. Von 1997 bis 2004 war Krolkiewicz Intendant des Hans-Otto-Theaters. Ralf-Günter Krolkiewicz starb 2008 im Alter von nur 52 Jahren. |
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Die Verschwiegene Bibliothek, Band 4 "Puppe im Sommer ist ein dichter, fulminant geschriebener Text. Er wirkt für sich. ... Härtls
Buch schlägt man am Ende mit zitternden Händen zu und wird es so schnell nicht vergessen.“ In kurzen, aber gleichmäßig aneinander stoßenden Passagen entfaltet sich das Panorama einer Endzeit. Man bekommt noch einmal den morbiden Geruch Ost-Berlins in die Nase, sitzt in Zugabteilen, hört die Stimmen sparsamer Gespräche und versteht, dass es der 1943 im voigtländischen Oelsnitz geborenen Heidemarie Härtl in ihrem großen Schluss-Text Puppe im Sommer um einen langen Abschied geht. Da zieht Stille zwischen den Wörtern ein, ruhige, hinnehmende Trauer und eine Wahrheit, die ohne Willen ihre eigene Zerbrechlichkeit auslebt. Man fühlt sich erinnert an den Bilderreichtum der großen Texte ostdeutscher Literatur wie Gert Neumanns Schuld der Worte, Wolfgang Hilbigs Die Weiber kommen oder Alte Abdeckerei. Kein Wunder: Mit Neumann war Heidemarie Härtl bis Ende der achtziger Jahre verheiratet, mit Hilbig eng befreundet. Doch ohne Puppe im Sommer wäre jenes unbedingte ostdeutsche Sprachland, das von Wut und Ohnmacht angereichert jedwede Konzession verweigerte, für immer unvollständig geblieben. Härtls Sommerpuppe, deren "Stirn, Augen, Wangen und Haare eine unerklärte Landschaft“ sind, deren Körper aus Pappmaché und deren „Kleider zweifellos gehasst“ sind, verkörpert die weibliche Ortlose in einer Diktatur. Eine Maske, die spricht. Weil sie spricht, vermag sie dem Zwang zu entgehen. Heidemarie Härtl, geboren 1943 in Oelsnitz, studierte ab 1967 am Becher-Literaturinstitut in Leipzig, wo sie ihren späteren Mann, den Dichter Gert Neumann, kennen lernte. Zusammen mit ihm und Wolfgang Hilbig wurde Heidemarie Härtl 1970 wegen "unbotmäßiger Rede“ zwangsweise exmatrikuliert. Heidemarie Härtl arbeitete für mehrere staatlich nicht genehmigte Zeitschriften und gründete 1988 den illegalen „bergen Verlag“ in Leipzig. Ihr einziger Prosaband „Ach, ich zog den blauen Anzug an“ wurde 1977 veröffentlicht. Im Jahr 1989 wurde die Ehe mit Gert Neumann geschieden. Nach der Offenlegung der Stasi-Vergangenheit ihres Geliebten Ibrahim Böhme, wurde Heidemarie Härtl in die Psychiatrie eingeliefert. Sie starb 1993 nach einem Krebsleiden. |
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Die Verschwiegene Bibliothek, Band 3
Gebunden mit Schutzumschlag Diese Ausgabe ist eine Auswahl aus über 1.500 Seiten Textmaterial, verfasst in den Jahren
1978-1989 und von einer inneren Konsistenz, als habe die Autorin über die Jahre an einem
einzigen fortlaufenden Text geschrieben. Das gilt ebenso für die vielen Zeichnungen, die, zum
Teil in dieses Buch aufgenommen, die Intensität der Texte unterstreichen. 1976 wegen ihrer
Unterschrift gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann verhaftet und verurteilt,
hat sich Gabriele Stötzer in der Frauenhaftanstalt Hoheneck als herausragende, kritischengagierte
Autorin neu definiert. Gesellschaftlich ganz unten angekommen, nahm sie sich die
Freiheit, nicht nur die akute politische Verfolgung und die ideologisch verhängten Tabus des
totalitär verfassten Staates DDR zu hinterfragen, sondern diese in mitreißende, beängstigende
und authentische Texte zu fassen. Solch eine Schreibgenese braucht den Tabubruch, braucht Gabriele Stötzer, 1953 in Emleben bei Gotha geboren, studierte an der Pädagogischen Hochschule Erfurt, wurde 1976 exmatrikuliert und kam 1977 wegen "Staatsverleumdung“ in Haft. Nach ihrem Gefängnisaufenthalt war sie als Autorin und Organisatorin in der alternativen Kunstszene der DDR tätig. Sie experimentierte mit Grafik, Super-8-Filmen und Installationen. 1989 beteiligte sie sich aktiv an der Transformation der DDR-Diktatur. Nach 1990 unternahm sie zahlreiche Reisen und veröffentlicht bis heute. Sie wurde rehabilitiert und bekam ihr Hochschul-Diplom zugesprochen. Gabriele Stötzer lebt heute in Erfurt und Utrecht. |
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Die Verschwiegene Bibliothek, Band 2 Gebunden mit Schutzumschlag Blende 89 ist ein poetisches und zugleich ein höchst politisches "Tagebuch“. Es beginnt am 3.
Oktober 1989 und endet genau ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, dem ersten Tag der deutschen
Einheit.
Der junge, hochbegabte, in der DDR ausgegrenzte Autor Christian Heckel wird im Oktober
1989 von der vorrevolutionären Stimmung in Leipzig erfasst. Er fühlt den Puls der Zeit, die
nach jahrzehntelang verordnetem Stillstand zu rasen beginnt und findet sich auf der Straße
wieder, mitten im Aufziehen des revolutionären Herbststurmes. Stagnation und Resignation
beginnen aufzubrechen. Das Volk entledigt sich des Maulkorbs. Die letzte Option des sterbenden
Staates, die der nackten Gewalt, bleibt aus. Radjo Monk beschreibt intensiv die einmalige
Zeit der friedlichen Revolution.
Radjo Monk alias Christian Heckel, 1959 in Hainichen (Sachsen) geboren, wurde zunächst als literarisches Talent gefördert, dann als „negativ feindlicher Aussteiger“ von der Staatssicherheit überwacht. Nach einer Facharbeiterausbildung für Holztechnik und Dekorationsbau arbeitet er zunächst als Theatertechniker. Angeregt von der Arbeit am Theater beginnt Christian Heckel, Stücke zu schreiben. Der Grundwehrdienst in der DDR-Volksarmee nimmt ihm jedoch zunächst seine Begeisterung für Literatur. Nach der Entlassung aus der NVA geht Christian Heckel zurück an das Theater und arbeitet in der Folge u.a. als Zimmermann, Tellerwäscher und Museumsassistent. Nebenbei schreibt er weiter seine literarischen Texte. 1984 verhindert die Staatssicherheit ein Studium am Literaturinstitut "Johannes R. Becher“ in Leipzig. Daraufhin engagiert sich Christian Heckel in der alternativen Kunstszene, die weniger kontrolliert ist als das DDR-Verlagswesen. Er arbeitet mit an der Untergrund-Zeitschrift A3, beteiligt sich an Performances und improvisiert mit Musikern eigene Texte im halböffentlichen Raum. Seit 1990 arbeitet Christian Heckel unter dem Pseudonym Radjo Monk. Anfänglichen Publikationen folgten Experimente im Bereich Musik und Film. Unter seinem Pseudonym erschienen nach der Wende einige Lyrikbände. 2004 hat er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ein Diplom im Fach Medienkunst erworben und entwickelt neben seiner Textarbeit Klangskulpturen, Installationen und Videofilme. Radjo Monk lebt heute in Leipzig. |
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Die Verschwiegene Bibliothek, Band 1 Gebunden mit Schutzumschlag "Die Gedichte werden im Zusammenspiel mit dem von Ines Geipel verfassten Nachwort zu einem Ereignis: jeweils ein anrührendes Zeugnis – die Literatur und das Leben.“ Ein halbes Jahr nach Gründung der DDR wird die 20-jährige Dichterin Edeltraud Eckert im Mai 1950 in Potsdam verhaftet und wegen des Besitzes von Flugblättern mit dem knappen Wortlaut „Für Freiheit und Demokratie“ zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt. In der Strafvollzugsanstalt Waldheim erhält sie wegen guter Arbeitsleistung einmalig die Möglichkeit, ein Oktavheft für eigene Gedichte zu nutzen. Es entsteht ein berührender Zyklus von 101 Gedichten, der ihre Haftzeit zwischen Auflehnung und Angst, Resignation und Hoffnung beschreibt. Auch die Briefe, die sie einmal monatlich zensiert an ihre Eltern schreiben darf, erzählen hautnah von ihren Jahren als politische Gefangene in ostdeutschen Gefängnissen. Im Frauenzuchthaus Hoheneck kommt es 1955 zu einem dramatischen Arbeitsunfall. Edeltraud Eckert wird skalpiert, die Wunde nicht desinfiziert. Sie stirbt mit 25 Jahren an den Folgen des Unfalls. Die Schwester Edeltraud Eckerts verwahrte das kleine Haft-Heft und gab es zur Veröffentlichung in der Verschwiegenen Bibliothek frei. Edeltraud Eckert wurde am 20. Januar 1930 in Hindenburg/Schlesien geboren. 1949 begann sie mit dem Studium an der Pädagogischen Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin. Im Frühjahr 1950 verhaftete man sie wegen des Besitzes von kritischen Flugblättern; wenig später wurde sie vom Sowjetischen Militärtribunal in Potsdam zu 25 Jahren Haft und Arbeitslager verurteilt. Am 1. Oktober 1950 erfolgte die Überstellung von Edeltraud Eckert in die berüchtigte Strafanstalt Waldheim. Während der Haft musste sie Kaninchenfelle kurz schneiden, schneiderte und saß an einer Knopflochmaschine. Im November 1953 erkrankte sie an einer schweren Bindehautentzündung und an Tuberkulose. Am 20. März 1954 verlegte man Edeltraud Eckert in die Frauen-Strafanstalt Hoheneck in Stollberg/Erzgebirge. Ende 1954 wurde ihr Fall an die DDR-Justiz übergeben und das Strafende auf den 10. Mai 1958 festgelegt. Im Januar 1955 kam es zu einem grausamen Arbeitsunfall. Edeltraud Eckert wurde an einer Rotationsmaschine skalpiert und dabei kaum notdürftig versorgt. In der Universitätsklinik Leipzig starb die Dichterin am 18. April 1955 an den Folgen des Unfalls. 2000 erschien die Biografie Edeltraud Eckerts Vom Leben trennt dich Schloss und Riegel von Jürgen Blunck. |